über das nicht zeigen // on not showing (2002/2010)
2018-0101

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2002 – 2017
the orange years – falk von traubenberg

meine vorliebe für das leuchtorange in der warnschutzbekleidung wird mein erscheinungsbild die nächsten 16 jahre prägen. im jahr 2002 kaufe ich meine erste warnschutzbundhose, und dieses kleidungsstück entwickelt sich nach und nach zu meinem markenzeichen, mit einem ausgesprochen hohen wiedererkennungswert. das spiel mit dem thema „kleider machen leute“ reizt mich. das schubladendenken, dem wir alle mehr oder weniger unterliegen, wird offensichtlich. zusätzlich individualisiere ich mich extrem und das mit einem kleidungsstück, das in vielen berufen quasi als uniform gilt.

nach acht jahren reinem kleidungsstück findet die hose auch ihren eingang in mein schaffen. 2011 beginne ich die fotoserie falks orange pants story. ein kontinuierlicher bilderfluss, in dem ich in mein alltägliches umfeld immer ein stück meiner hose im bild integriere, sei es als anschnitt oder als spiegelung. die serie fotografiere ich nur mit dem iphone – dies habe ich immer dabei, und das einfache und sehr direkte dieser kamera schätze ich und spiele ihre möglichkeiten mehr und mehr aus. im herbst 2017 mache ich letztmals fotos von mir mit der hose, ich lege sie als permanentes kleidungsstück ab.

mein weg führt mich 2002 aus frankfurt wieder nach konstanz, da ich die möglichkeit habe, an einem architekturführer im thurgau mitzuarbeiten. ich erlerne die arbeit mit der fachkamera. insgesamt fotografiere ich rund 80 projekte für das buch. daneben fertige ich auch die zeichnungen und beschreibungen an.

während dieser zeit entwickle ich auch mein weiteres fotografisches vokabular. ich versuche die möglichkeiten, die ich durch die digitale bildbearbeitung habe, für neue bildstrategien einzusetzen. ganz im flusserschen sinne erweitere ich die grenzen meines/des fotouniversums. die diaprojektion, die mich meine kindheit und jugend begleitet hat, die ich im studium mir selbst zu eigen gemacht und durch überblendtechnik weiter entwickelt habe, wird durch digitale bildprojektion ersetzt. das zwischenbild, wenn beide bilder zu sehen sind und zusammen ein neues, drittes ergeben, interessiert mich sehr. auch liegen hier die wurzeln für meine arbeiten, die entweder stark beschleunigt oder aber extrem verlangsamt sind. dies wird bei meinen foto-video-arbeiten immer ein gestaltungsthema sein.

2002 ist auch das jahr, in dem ich erstmals dias in ein einmachglas verfülle. es passiert aus einer laune heraus. ich folge einem unbewussten impuls. die ästhetik spricht mich an. ich finde etwas daran, das ich noch nicht beschreiben kann. das glas gefüllt mit den diarähmchen steht lange auf meinem arbeitstisch. 2003 zeige ich erstmals öffentlich eine reihe von solchen gläsern, noch ohne großes konzept dahinter. das daraus entstehende thema des nichtzeigens wird mich über viele jahre begleiten.

2005 schafft es meine arbeit mindstorm #01 in die vorauswahl des internationalen medien- preises für kunst und wissenschaft, ausgelobt vom zkm karlsruhe und dem swr. die arbeit gewinnt den zuschauerpreis und ist ein paradebeispiel für die art, wie ich die bilder beschleunige, um sie im einzelnen dem blick des betrachters zu entziehen.

es entsteht die erste große installation: apparategedächtnis. wir wohnen mittlerweile in hamburg, und die 288 einmachgläser umfassende arbeit zeige ich dementsprechend erstmals auf der nord art. über die jahre entstehen verschiedene installationsprojekte, die jeweils den betrachter und sein imaginationsvermögen brauchen, um ihre volle wirkung zu entfalten. sie beschäftigen sich mit verschiedenen aspekten der bildrezeption und den eigenen erinner- ungen bzw. erfahrungen.

auch verschiedene fotoarbeiten beleuchten das thema des nichtzeigens auf ihre ganz eigene art. das changieren zwischen abstraktion und konkretion wird von mir spielerisch eingesetzt. ich arbeite mich an die ränder des fotouniversums, dessen, was möglich ist. bilderzeugung jenseits des fotografierens (textur serie), das verstellen der bilder, obwohl man sie sieht (installationsarbeiten mit dias in einmachgläsern), das beschleunigen der einzelbilder (in teilen der videoarbeiten) als auch die herbeiführung von bildfehlern als motor für neue bildkompositionen (interform serie) reizen mich. schwerpunkt dabei ist immer wieder das portrait, auch der eigene körper spielt von zeit zu zeit eine zentrale rolle.

die 2012 ins leben gerufene serie un/published zeigt auf charakterisierende weise mein gesamtes spektrum im handlichen format von 20x20cm.

mich interessieren konzepte, die ich dann konsequent verfolge. so sehe ich mein schaffen auch grundsätzlich in der konzeptkunst verortet, wenngleich mir das ergebnis, also das, was zu sehen ist, schon als der wesentliche teil meiner arbeit erscheint. das konzept dient der erklärung, der herleitung – es ist der pfad, auf dem ich wandele.
in die orange years fällt auch mein engagement in sachen theaterfotografie, das ich seit dem herbst 2005 verfolge – noch bis heute. so hat sich mein schwerpunkt von der architektur in richtung menschen verschoben. bei der bühnenfotografie sind die darsteller essenzieller bestandteil. mein architektonisch geschulter blick ist hilfreich für die erfassung des bühnenraums.

in diese zeit fällt auch die geburt unserer drei kinder, die ich zusammen mit meiner frau habe. das familienportrait ist gerade bei familien mit kindern ein thema. welche familie hat sie nicht, die putzigen fotos mit den süßen kleinen. ich finde im winter 2009 meine eigene antwort darauf: WIR 2009 – ein familienportrait. der betrachter wird mit dem thema familienportrait auf sich gestellt. nur seine vorstellung kann das recht cool-distanziert wirkende installationsportrait aus dias in einmachgläsern kombiniert mit einer leuchtstoffröhre zum leben erwecken. je nachdem, wie er mich und meine familie kennt, werden ihm andere bilder in den sinn kommen. selbst wenn er uns gar nicht kennt, wird er eine vorstellung zum gesetzten thema des familienportraits entwickeln.

am 14. april 2017 setze ich für meine bisherige arbeit einen schlusspunkt. ich spüre, dass es zeit wird, eine neue werksphase einzuläuten – um zu reflektieren, was mich antreibt, was bisher war und um mich neu zu fokussieren. ich melde mich ab, sage tschüss bis zum frühjahr 2018 – da möchte ich wieder mit neuen werken sichtbar werden. unter dem namen fbrvt aka falk baron rausch von traubenberg möchte ich einen neuanfang starten.

genau zwei monate nach diesem öffentlichen entschluss bekommt er für mich eine noch tiefere bedeutung. eine gesundheitliche krise unterstreicht meinen schon formulierten wunsch nach veränderung, gibt ihm eine neue dimension – es geht um meine existenz und das, was mich ausmacht. mein sabbatical wird eine echte auszeit. für ein halbes jahr bin ich aus dem normalen leben gezogen. zurückgeworfen auf mich selbst. das eigene sein.

in dieser zeit entsteht auch schritt für schritt die konzeption für meinen neubeginn. das quadrat, die zahl acht und die reduktion nur auf das papier als bildträger entwickeln sich zu den formalen bausteinen, um meinen nun kontinuierlich (ohne in serien zu denken) entstehenden arbeiten einen rahmen zu geben und deren inhalt zu unterstreichen. es geht um das menschsein in all seinen facetten, körperlich wie seelisch. diese inneren gefühle, teils unbewusst, möchte ich zu tage tragen, immer wieder. von verschiedenen standpunkten und aus verschiedenen blickwinkeln. vielleicht ist das ganze expressionistische fotografie. über die jahre werde ich sehen, wohin mich diese arbeit führt.

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2002 – 2017
the orange years – falk von traubenberg

translation: kristina von bülow

my penchant for the neon orange of high- visibility clothing will characterize my appearance of the next 16 years. in 2002, i buy my first high-visibility pants, and this piece of clothing gradually develops to be my hallmark, having an extremely high recognition value. the game with the topic of “clothes make the man” entices me. what becomes obvious is the stereotyped thinking that we all are more or less subject to. additionally, this piece of clothing increases my individuality albeit being something of a uniform in many professions.

after eight years of purely being a garment to me, the pants also find their way into my artistic creation. in 2011, i start the photo series falk’s orange pants story. a continuous flow of images in which i always integrate a piece of my pants into the everyday setting of the picture, be it as section or as reflection. i take the photographs of this series only on the iphone – i always have it with me, i appreciate the simplicity and the directness of this camera, and i play off its possibilities ever more. in the fall of 2017, i take photos of me with these pants for the last time, i disrobe this once permanent garment.

in 2002, my path leads me from frankfurt back to constance because i have the opportunity to contribute to an architectural guide in thurgau. i learn how to work with a view camera. overall, i photograph about 80 projects for the book, besides also creating the drawings and descriptions.

during this time, i additionally develop more of my photographic vocabulary. i try to apply the possibilities that digital image editing offers for new pictorial strategies. fully in accordance with flusser, i expand the limits of my/the photographic universe. slide projection, which was ever-present during my childhood and adolescence, which i took ownership of during my studies, and which i have further developed by the technique of cross-fading, is replaced by digital image projection. i am highly interested in the in-between image where both images are visible and together result in a new, third one. here lie the roots of those of my works that are either accelerated or slowed down to extreme extents. this will always continue to be a creative element in my photo-video works.

2002 is also the year in which i fill slides into preserving jars for the first time. it happens on the spur of the moment. i follow a subconscious impulse. the aesthetics speak to me. i find something about this that i cannot yet describe. the jar filled with the slide frames sits on my desk for a long time. in 2003, i publicly show a first series of such jars, still without much of a concept behind it. the idea of non-showing emerging from it will accompany me for many years to come.

in 2005, my work mindstorm #01 makes it onto the shortlist of the international media award for science and art, courtesy of the media academy zkm karlsruhe and the broadcaster swr, winning the audience’s prize. it is a prime example for my style of accelerating images in order to withdraw them from the viewer’s gaze.

i create the first large-scale installation: apparategedächtnis [apparatus memory]. we now live in hamburg, and, correspondingly, i show the work, comprising 288 preserving jars, for the first time at nord art. over the years, i create several installation projects that need the viewer and his imagination in order to be able to unfold their full effect. they deal with different aspects of image reception and proper memories and experiences, respectively.

there are also various photo works that cast a light on the topic of non-showing in their own unique ways. i playfully let them oscillate between abstraction and concretion. i advance to the edges of the photographic universe, of what is possible. creating images beyond photographing (textur series), blocking images while they remain visible (installation works with slides in preserving jars), accelerating individual images (in parts of the video works), as well as the creation of glitches as a motor for new image compositions (interform series) – this appeals to me. the focus in this is repeatedly the portrait, and my own body plays a role every once in a while, too. the series un/published that i launched in 2012 characteristically shows my entire spectrum in the handy format of 20x20cm.

i am interested in concepts that i follow through with consequently. that is why i fundamen- tally see my oeuvre anchored in concept art, albeit the result, i.e. what remains visible, already appears as the essential part of my work. the concept serves to explain, to derive – it is the path on which i wander.

something else that happened during the orange years is my engagement for theater photography that i pursue since the fall of 2005 – still ongoing today. because of that, my focus has shifted from architecture to the human figure. the performers are an essential part of stage photography. my architecturally schooled view is helpful for capturing the stage space.

this time is also marked by the birth of our three children that i have together with my wife. the family portrait is very prevalent in families with children. every family has them, those cute pics with the sweet little ones. i find my own reply to this in the winter of 2009: WIR [WE] 2009 – a family portrait. the viewer is being challenged by this unusual version of a family portrait. only his imagination can make the portrait with its cool and distant appearance of slides combined with glass and neon tubes come alive. depending on the extent to which he knows me and my family, individual mental images arise. even if the viewer does not know us at all, he will develop an idea of the set topic of the family portrait.

on april 14th, 2017, i conclude my work that i had created up until then. i sense that it is time to launch a new work phase – in order to reflect what drives me and to focus myself anew. i log off, say goodbye until the spring of 2018 – when i want to become visible again with new works. by the name of fbrvt aka falk baron rausch von traubenberg i want to restart completely. exactly two months after this public decision, it attains an even deeper meaning for me. a health crisis emphasizes my already postulated wish for transformation, lends it a new dimension – it is about my existence and what defines me. my sabbatical turns out to be a real time-out. for half a year, i am withdrawn from normal life. thrown back onto myself. the proper being.

in this time and step by step, the concept for my new beginning emerges. the square, the number eight, and the reduction to only the paper as pictorial substrate develop to be the formal building blocks that frame my continuously originating works (without thinking in series) and to underline their content. it is about humanness in all its facets, physically as well as emotionally. i want to bring to the surface these partly subconscious inner feelings, again and again. from different viewpoints and at varying angles. perhaps it is all expressionistic photography. over the years i will see where this work leads me to.